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Leicht zu kultivierende Wirbellose für das Korallenriff im Wohnzimmer |
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| Für ein technisch einfach eingerichtetes Meerwasseraquarium, evtl. sogar ohne Eiweißabschäumung, und nur mit Leuchtstoffröhren beleuchtet, eignen sich trotzdem viele wirbellose Tiere, die in der Natur in ca. drei bis zehn Metern Tiefe vorkommen.
Besitzen diese Tiere Zooxanthellen, sind sie unabhängig von einer Fütterung, so daß das Wasser im Aquarium nicht unnötig organisch mit Stoffwechselprodukten belastet wird. Doch was sind Zooxanthellen? Zooxanthellen sind Symbiosealgen, die mit "ihrem" Tier in großer Anzahl in Symbiose leben. Die Algen erzeugen durch Photosynthese wichtige Stoffe, die dann vom Wirt wiederum unmittelbar genutzt werden können. Zooxanthellen sind primitive Rotalgen, auch Goldalgen genannt, des Stammes Pyrrhophyta. Dieser Stamm darf nicht mit den Rhodophyta verwechselt werden, die die größte Anzahl der im Aquarium kultivierten höheren Rotalgen stellen, die meist aus mehreren Metern Tiefe der Ozeane oft mit lebenden Steinen zu uns kommen. Zooxanthellen können auch ohne einen Wirt leben und nehmen dann die Form von Dinoflagellaten an. Das sind dann marine, planktische Einzeller mit Geißeln. Dieser Exkurs soll verdeutlichen, daß Korallen mit Zooxanthellen wirklich keine Fütterung benötigen, weil sie autark in Endosymbiose leben. Zu den einfacher zu haltenden Korallen- und Anemonenarten gehören etliche Pilzkorallen (Fungiidae), Krustenanemonen (Zoantharia), Scheibenanemonen (Discosomatidae), Lederkorallen (Alcyonaria), Röhrenkorallen (Tubicorallia), Finger-Weichkorallen (Sinularia), Schalenkorallen (Turbinaria), Riffkorallen (Euphyllaria) und Kelchkorallen (Tubastrea). Besonders unempfindlich sind Scheibenanemonen und auch viele Krustenanemonen, die auch organische Belastungen des Aquarienwassers recht gut vertragen. In der freien Natur besiedeln sie als erstes Riffteile, die durch Belastungen abgestorben sind. Auch Röhrenwürmer der Gattung Sabellaria mit ihren wunderschön gefiederten Tentakelkronen eignen sich hervorragend, weil sie das starke Licht der HQI-Strahler eher schlecht vertragen. Sabellarien lieben das Dämmerlicht. Hier muß jedoch gelegentlich Ersatzplankton in Form von feinzerriebenem Flockenfutter oder ähnlichem mit einem Fütterungsrohr vorsichtig auf die Tentakelkrone gegeben werden. Auch die meisten Schwämme (Porifera) lieben kein grelles Licht. Sie sind schwierig zu ernähren und halten am besten in einem gut eingefahrenen Aquarium, das seit mehreren Jahren in Betrieb ist, aus. Bei mindestens vier Tageslichtröhren kann auch der Versuch gewagt werden, eine Mördermuschel der Art Tridacna squamosa gepflegt werden. Die anderen Arten (T. dersera, T. gigas, T. maxima) sind ausschließlich unter starkem HQI-Licht zu pflegen. Diese Riesenmuscheln leben wahrscheinlich nur von ihren Zooxanthellen. Die Haltung dieser faszinierenden Muscheln gefährdet keine Naturbestände, weil sie eigens in Muschelfarmen gezüchtet werden. In Australien sind sie eine begehrte Delikatesse, und der Verbraucher muß dafür tief ins Portemonnaie greifen. Auch Steinkorallen (Madreporaria) gehören nicht in ein derart beschriebenes, einfach eingerichtetes Becken. Um etwas Leben und Bewegung in die tropische Unterwasserlandschaft zu bringen, dürfen kleine Einsiedlerkrebse nicht fehlen. Außerdem sind sie hervorragende Reste- und Algenvertilger. Auch die herrlich gestreiften Garnelen der Gattung Lysmachia sollten in unseren Besatz mit einkalkuliert werden. Sie reinigen die Dekoration von lästigen Algen. Interessant bei dieser Art ist, daß die Tiere im Laufe ihres Lebens ihr Geschlecht wechseln. Ist das Becken groß genug, kann auch ein Diademseeigel (Diadema sitosum) mit seinen langen Stacheln gepflegt werden. Auch hier sollte das Becken seit einiger Zeit bestehen, um genügend Algen und Aufwuchsnahrung zur Verfügung zu haben. Bei Seesternen muß aufgepaßt werden, denn viele Arten leben räuberisch von anderen Stachelhäutern (Echinodermata), Schwämmen und Korallen. Einige Arten erbeuten sogar kleine Fische. Empfohlen werden können die blauen Seesterne der Gattung Linckia. Sie sind nützliche Restevertilger und können auch mit Futtertabletten ernährt werden. Auch ohne Fische erhalten wir so ein interessantes und niemals langweilig werdendes Beobachtungsobjekt. Viele Süßwasseraquarien mit empfindlichen Fischen sind schwieriger zu pflegen! Mathias Henschel |
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